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Starbucks on Rails – Der Kaffee auf der Schiene ausprobiert

Seit dieser Woche ist der neue Starbucks Speisewagen in der Schweiz auf der Strecke Genf – St. Gallen (und zurück), unterwegs. Während beim Leumund bereits fleissig diskutiert wird ob das Konzept Erfolg haben wird, habe ich mich aufgemacht und einfach mal einen Kaffee im Zug getrunken.

Das Angebot

Starbucks on Rails bietet das gewohnte Sortiment aus den Coffeehouses an, während die Preise ebenfalls gleich dem Coffeehouse sind. Dazu gibt es analog zu den Coffeehouses diverse Esswaren. Zusätzlich zu den gewohnten Muffins und Cookies finden sich Speisen wie Bündner Gerstensuppe oder „Penne al Pesto“ auf der Karte, falls man mehr Hunger hat.

Getränkekarte Starbucks on Rails (Foto: Jonathan Noack)
Getränkekarte Starbucks on Rails (Foto: Jonathan Noack)
Speisekarte von Starbucks on Rails (Foto: Jonathan Noack)
Speisekarte von Starbucks on Rails (Foto: Jonathan Noack)

 

Die Gestaltung des Wagens

Mit grossem Aufwand haben die SBB und Starbucks einen Doppelstockwagen umgebaut. Dabei befindet sich im oberen Stock das Restaurant mit Sitzgelegenheiten und im unteren Stock ein Bistro um Getränke abzuholen.Der Wagen ist gemütlich eingerichtet und die Holztische wirken sehr massiv und wertig. Für meinen Geschmack ist der Tisch etwas zu tief geraten um längere Zeit mit dem Laptop zu arbeiten. Ebenfalls finden sich keine Steckdosen im Wagen, was ebenfalls gegen die lange Arbeit mit dem Laptop spricht.

Das Starbucks Restaurant im Obergeschoss (Pressebild SBB)
Das Starbucks Restaurant im Obergeschoss (Pressebild SBB)
Der Takeaway im Untergeschoss (Pressebild SBB)
Der Takeaway im Untergeschoss (Pressebild SBB)

 

In der Mitte der Tische ist eine Rille eingefräst damit die Getränke in engen Kurven nicht davonfliegen.
Die Bestuhlung ist ohne Kopfstützen, was eine luftige Atmosphäre erzeugen soll. Lustig sind auch die Lampen auf den Tischen, die die Form eines umgestülpten Kaffeebechers haben. Teppichboden, eine dezente Beleuchtung und viel Holz sorgen insgesamt für eine angenehme Atmosphäre.

Lampe in Form eines umgestülpten Kaffeebechers (Foto: Jonathan Noack)
Lampe in Form eines umgestülpten Kaffeebechers (Foto: Jonathan Noack)

Bestellung und Bezahlung

Im unterschied zum Coffeehouse, wird man im Zugwagen bedient. Die Angestellten tragen die Bestellung in ein Smartphone oder Tablet ein, danach wird diese drahtlos in die Küche geleitet und verarbeitet. Trotzdem dauerte der Service bei mir ca. 10 Minuten. Auf einer stündigen Fahrt ist dies jedoch problemlos verkraftbar. Die Bedienung ist konsequent in Englisch, um vielleicht ein gewisses Starbucks-Feeling zu vermitteln. Aus meiner Sicht macht dies die Bestellung nur unnötig kompliziert.
Interessant ist, dass die Starbucks Card nicht akzeptiert wird, und somit keine Starbucks Sterne gesammelt werden können. Ein Grund konnte mir die Bedienung auf Nachfrage nicht liefern. Ich könnte mir vorstellen, dass dies damit zusammenhängt dass der Starbucks im Zug nicht von Starbucks selbst sondern von der SBB Tochter „elvetino AG“ betrieben wird.
Eine Bezahlung mit Maestro oder Mastercard ist möglich, allerdings geschieht diese über ein Terminal, das via Mobilfunknetz funktioniert. Nun, bekanntlich ist die Netzabdeckung auf der Neubaustrecke nicht überall gleich gut und so dauerte die Verarbeitung meiner Bezahlung gut 2 Minuten.

WLAN?

Im Gegensatz zu den meisten Coffeehouses gibt es im rollenden Starbucks kein WLAN. Der Wagen ist jedoch mit Repeatern ausgestattet. Das heisst man kann mit dem Smartphone surfen, falls ein Datennetz verfügbar ist.

Fazit

Wer gerne Starbucks Kaffee trinkt und dies auch im Zug gerne tun möchte, für den ist der Starbucks im Zug definitiv eine tolle Sache. Die Atmosphäre ist gemütlich, allerdings fehlen Steckdosen und die Tische sind nicht für ein Stundenlanges Arbeiten im Wagen ausgelegt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Konzept aufgeht und  Leute, die vorher selten oder nie im Speisewagen gefahren sind, dadurch häufiger dort anzutreffen sein werden.

PS: Wer sich schon immer gefragt hat, warum die Tische in den Starbucks Coffeehouses rund sind, findet hier einen Spannenden Artikel: Not Just Coffee: Starbucks’ Rise to Success

via

 

  1. Danke für den Link auf meinen Beitrag und den excellenten Testbericht. Obwohl ich mehrmals nachgefragt habe, konnte mir bisher noch niemand erklären wie das genau funktioniert. Ich dachte, es gebe einfach unten im Zug den Starbucks und oben sei alles nur Sitzplätze.
    Aber ein Restaurant mit Bedienung? Das ist nun aber wirklich einmalig. Irgendwie find ich das sogar einmalig doof von Starbucks. Immerhin wird sonst ja auch nirgends bedient. Das überrascht mich eher und ändert auch meine Beurteilung der Sache. Warum tut Starbucks hier etwas, wovon die nicht wirklich eine Ahnung haben. Hat man ZUGeständnisse gemacht und das ganze läuft wirklich nur als PR-Gag bei Starbucks über die Portokasse und soll gar nie erweitert werden? Komisch.

    • Bezüglich Bedienung bin ich mir nicht sicher, wie es Starbucks so mit Vorgaben hat. Die einzelnen Läden werden ja mE als Franchise geführt und haben wohl gewisse Vorgaben und aber auch Freiheiten (zB eben Bedienung).
      Da ja, wie Andreas schreibt, die Elvetino die Franchise führt, kann die wohl entscheiden, ob sie bedient oder nicht. Ähnliches erlebt man auch bei McDoof, habe mich auch schon über Alkoholausschank (wo war das nur?) gewundert.
      Was ich «spannend» finde, ist die konsequente Amerikanisierung (Speisekarte in Englisch) :-/

    • Jonathan Noack

      Ja, es stimmt, das ganze hat ein bisschen den Charakter eines Speisewagens mit Starbucks Kleber. Ich denke aber, die Bedienung kann auch damit zusammenhängen, dass rein praktisch kein Platz zum abholen der Getränke vorhanden ist und die Sicherheit auch nicht gewährleistet wäre.

  2. Keine Steckdosen: ich glaube nicht, dass elevetino scharf darauf ist, Laptoparbeiter im Speisewagen zu haben, die Plätze für Kaffeetrinker versperren, habe fast das Gefühl, dass das mit Absicht weggelassen wurde. btw: Weiss gar nicht, ob die normalen Speisewagen Steckdosen haben.
    Bedienung: kann durchaus eine Auflage der SBB sein. Ich persönlich ziehe Bedienung einer Selbstbedienung immer vor.

  3. Pingback: Der Starbucks-Wagen der SBB im Test | Cabo Ruivo

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