Allerlei

Wenn Corona plötzlich nah ist.

Ich bin derzeit auf der Heimreise von einer Woche im Norden von Schweden. Im tiefen Schnee habe ich mit Freunden von der Uni eine Woche verbracht, die wunderbare Natur genossen und meinen Horizont etwas erweitert.
Gleichzeitig war die Woche aber geprägt von Meldungen über das Coronavirus und vielen Gesprächen mit anderen Studenten aus allen möglichen Flecken der Erde.

Über die letzten Wochen habe ich gemerkt, wie das Thema Coronavirus langsam immer näher kam. Angefangen mit Witzen und etwas Staunen über die Ereignisse in China. Dann war Corona plötzlich in Norditalien und dann wurde auch noch die Fasnacht abgesagt. All dies hatte eigentlich noch wenig Einfluss auf meinen Alltag und meine Gewohnheiten (ich wasche meine Hände immer wieder einigermassen gründlich).

Und dann ist Corona plötzlich ganz nah. Da sind die Bilder von Hamsterkäufen in Supermärkten. Da sind geschlossene Schulen. Da ist der Mitstudent, der plötzlich in die USA zurückreisen muss oder die Kollegin, die nach Italien zurückfliegt. Da sind unzählige Medienberichte wie schnell sich Corona ausbreiten würde, wenn die Ausbreitung gleich verläuft wie in anderen Ländern. Da sind Massnahmen wie die Schliessung von Grenzen oder Schulen. Beides hat es nie gegeben seit ich auf der Welt bin.
Meine Twitter Timeline liest sich diese Tage wie eine Ansammlung von abgesagten Events oder Massnahmen, die die Ausbreitung des Virus bremsen sollen. Überall sind Artikel zu finden, die das Ausmass und die Folgen versuchen einzuordnen. Und mit jedem Tweet und jedem Artikel verstärkt sich ein Gefühl der Hilflosigkeit und ein Brei von Stimmungen, mit denen ich nichts anfangen kann. Und auch wenn ich mir als gesunder und junger Mensch nicht wirklich um mich selbst Sorgen machen muss, kriege ich relativ schnell Kopfschmerzen wenn ich an die nächsten Wochen und die möglichen Folgen des Coronavirus für unsere Gesellschaft und Leute in meinem Umfeld nachdenke.

Was nun?

Übrig in diesen Tagen bleibt für mich ein Gemeinschaftsgefühl und Freundschaften. Neue und schon lange gewachsene. Es sind ehrliche Nachfragen in meiner kleinen sozialen Bubble, wie es mir heute geht oder es sind Gespräche spät Nachts, was es bei uns auslöst, wenn ein Mitstudent plötzlich in seine Heimat zurückreisen muss. Und es ist ein Gemeinschaftsgefühl, das sich unter anderem in neuen Facebook Gruppen wie ‘Gärngscheh Basel‘ zeigt, in der Menschen ihre Hilfe anbieten um anderen zu helfen.
Ich glaube, in diesen Ausserordentlichen Zeiten brauchen wir uns gegenseitig besonders. Gemeinschaft und Wertschätzung halten uns über Wasser.

Tragt euch Sorge.

<3

Ich bin derzeit an meinem Master an der Uni St. Gallen, daneben mache ich Radio beim Regionaljournal von SRF in Basel.

  1. Hallo Jonathan,
    ich habe gerade durch Zufall deinen Beitrag aus dem März gefunden.
    Vielen Dank für deine persönliche Berichterstattung aus der Zeit, es war sehr interessant zu lesen wie du das erlebt hast.
    Alles Gute,
    Christoph

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